Großartige Leistungen bei den PingPongParkinson German Open 2022

Bad Homburg, 26.- 29.05.2022. In der hessischen Kreisstadt des Hochtaunuskreises fanden die Tischtennis-Parkinson German Open 2022 statt. Aus 11 verschiedenen Nationen reisten Tischtennisspieler*innen an, um bei dem Event ein Teil der großen Tischtennis-Parkinson-Gemeinschaft zu sein. Für unsere TTG Hamburg-Nord ging allen voran Maik Gühmann an den Start. Als Vizeweltmeister im Einzel und Bronzegewinner im Mixed sowie Doppel der „ITTF Parkinsons World Table Tennis Championships 2021“ hatte Maik ein klares Ziel vor Augen: „Jetzt wollen wir das Ding aber auch gewinnen“ sagt er vor Turnierbeginn zu seiner Trainerin und Betreuerin Fabia Gisder, die ihn während des gesamten Turniers unterstützte.


Durch Maik entstand im Verein unsere Tischtennis Parkinson-Trainingsgruppe, in der seit einiger Zeit auch die ebenfalls in Bad Homburg startenden Gerald Weegh, Gisela Pazyna und Jens Burfeind trainieren. Letztere sind ebenso Teil der PPP-Gruppe des FC St. Pauli und schnupperten teilweise schon in Berlin erstmals Turnierluft.


v.l.n.r. Gisela Pazyna, Maik Gühmann, Gerald Weegh, May Evers (FCSP), Jens Burfeind.

Am 26.05 um 10:00 Uhr startete die Fahrt zu unserer Unterkunft, dem Rilanto Hotel in Oberursel. Das Auto war vollgepackt, eine sechsstündige Autofahrt stand bevor. Maik trat die Reise gemeinsam mit seiner Freundin Kerstin sowie Freund und Teilnehmer Lars Rokitta (TSV Eystrup) an, der ebenfalls einen Familienfantrupp dabeihatte.


Bei dieser Unterstützung kann nichts mehr schief gehen: Maik Gühmann (links) und Lars Rokitta (rechts) wurden von ihren Angehörigen tatkräftig angefeuert.

Im Hotel sahen wir bereits die ersten bekannten Gesichter: Viele Teilnehmende saßen mit einem Bier oder einer Cola gemütlich zusammen. Anschließend ging es zur Eröffnungsfeier. Mit einer musikalischen Eröffnung wurden die „Parkis“ begrüßt. Auch wurden Reden gehalten, u.a. von der Bürgermeisterin Antje Runge von Oberursel, die selbst in der Familie mit dem Thema Parkinson zu tun hat. Außerdem bekamen die Anwesenden die Gegebenheiten und Regeln des Turniers erklärt. Die Teilnehmer wurden in drei Klassen aufgeteilt: Je nach Spielerfahrung, Erkrankungsstadium und Spielstärke erhielten die Spieler einen Punktwert, durch den ein faires Turnier gewährleistet werden sollte. Dieses Klassifizierungssystem wird bei vielen bei großen Parkinson-Turnieren angewendet. Während der Matches galten folgende Sonderregeln: Teilnehmern mit Gleichgewichtsproblemen war es gestattet, sich am Tisch festzuhalten und auch der Aufschlag durfte – bei entsprechenden Einschränkungen – regelabweichend (z.B. mit niedrigerem Ballwurf) durchgeführt werden. Ebenso hatte jeder Spieler Anspruch auf eine zehnminütige Pause zwischen den Spielen und ein Time-Out in jedem Satz. Nach Abschluss des formellen Teils gab es ein leckeres Abend-Buffet. Aufregung und Vorfreude waren deutlich zu spüren.


Am nächsten Tag ging es dann endlich los! Nach dem Frühstück um 08:00 Uhr fuhren wir (Maik, Fabia, Kerstin und Lars inkl. Fanclub) in die Halle. Auf der Hinfahrt wurde Musik aufgedreht: Wir hörten Songs wie „Guten Morgen Sonnenschein“, bei denen alle mitsingen konnten. Dies wurde auf jeder Hinfahrt zum Ritual, weil es für gute Laune sorgte. Nachdem wir uns vor Ort ausführlich eingespielt hatten, wurden die Parkinson German Open eröffnet. Gespielt wurde nach dem sogenannten Schweizer System, in dem mit fortschreitender Turnierdauer zunehmend ähnlich spielstarke Spieler*innen aufeinandertreffen und alle Teilnehmenden nach dem Absolvieren der Gruppenphase weiterkommen, entweder in die Haupt- oder in die Trostrunde.


Maik wurde für das erste Spiel in der Klasse drei aufgerufen und gewann gegen den ersten Spieler klar mit 3:0. Doch von Runde zu Runde wurden die Gegner besser. Maik blieb allerdings souverän und verlor am besagten Tag nicht einen Satz, sodass er voller Freude in die Hauptrunde einzog. Dieses Kunststück gelang auch unserem ständigen Begleiter Lars, wenn auch denkbar knapp. Unsere weiteren „Parkis“ Gerald, Gisela und Jens landeten zwar in der Trostrunde, durften sich aber auf spannende Spiele am folgenden Tag freuen, an dem es in aller Frühe mit den Doppel- und Mixed-Konkurrenzen weiterging. Maik bildete eine Mixed-Paarung mit Lynn Zhang-Freund. Lynn hatte Maik im letzten Jahr bei den German Open und der WM als Partner angefragt, nun kam es endlich zum gemeinsamen Auftritt. Was soll man sagen… es hat sich gelohnt. Sie waren ein großartiges Team und konnten in der Gruppenphase alle Spiele für sich entscheiden, sogar gegen ein eingespieltes Mixed aus der Schweiz. Durch den Sieg gegen die Eidgenossen war das Ticket für das Viertelfinale gelöst.


Auf Anhieb erfolgreich: Maik Gühmann und Lynn Zhang-Freund.

Im Doppel trat Maik gemeinsam mit Jens Greve an, dem Organisator dem WM 2021. Spätestens seit dieser Veranstaltung sind Maik und er befreundet. Zusammen wurden die beiden allerdings in Klasse 2 eingestuft, was – wegen der stärkeren Gegner – eine Herausforderung zu werden versprach. Trotz einer Niederlage erreichten die beiden den ersten Platz in der Gruppe und qualifizierten sich somit ebenfalls das K.O.- Feld der Hauptrunde. Im Einzel kam Maik bis in das Viertelfinale und gewann sein für diesen Tag letztes Spiel gegen Rainer Heißmann mit 3:0. Maik realisierte im Anschluss überglücklich, dass er am Finaltag in allen drei Konkurrenzen die Chance auf eine Medaille haben würde - besser hätte es für ihn bis hierhin nicht laufen können!


Gute Laune trotz schwerer Gruppenphase: Das eingespielte Doppel Gühmann/Greve.

Auch Lars lieferte den Zuschauern zum Abschluss des Wettkampftages ein großartiges Spiel gegen Damásio Caeiro, einen Portugiesen mit ausgeprägtem Tremor. Ein spannendes Fünfsatzspiel entschied Lars für sich.


Gemeinsames Erinnerungsfoto nach wichtigen Entscheidungsspielen: Rainer Heißmann zusammen mit Maik Gühmann (links), Lars Rokitta und Damásio Caeiro (rechts).


Vor unserer Abfahrt Richtung Unterkunft war die Stimmung super. Das Wetter war gut und es wurde ein kleines Tänzchen in der Sonne gemacht.


Ausgelassene Stimmung: Die PPP-Stars lassen die Hüften kreisen.


Als Abendveranstaltung erwartete uns ein schickes Abendbuffet im Hotel. Das Essen war gut und wir kamen ins Quatschen. Auch ein Rahmenprogramm gab es: Es bestand unter anderem aus einer Vorführung des örtlichen Springseil-Vereins, der dem Publikum eine tolle Show bot. Hinzu kamen einige Beiträge aus der PingPongParkinson-Gemeinschaft, hierzu zählten etwa ein Lied und ein Gedicht für und von den „Parkis“.


Der 29.05 war der große Finaltag. Maik durfte sich zunächst im Doppel und Mixed den entscheidenden K.O.-Spielen stellen. Im Doppel reichte es leider „nur“ bis zum Viertelfinale: Die Konkurrenz war stark, sodass sich Greve/Gühmann letztlich mit einem 0:3 zufriedengeben mussten. Im Mixed hingegen kämpften sich Maik und Lynn bis ins Finale vor, das sie auch noch für sich entscheiden konnten. Maik Gühmann und Lynn Zhang-Freund, Sieger der German Open 2022 im Mixed – was für ein Erfolg!


Den krönenden Abschluss bildeten die Entscheidungsspiele der Einzel-Konkurrenz. Im Halbfinale traf Maik auf Bernd Trabalski (SV Lichtenberg 47). Wir merkten, wie anstrengend die letzte Zeit war - Maik war spielerisch nicht mehr so gut drauf war wie noch zu Tagesbeginn. Trotz der hohen körperlichen Belastung bezwang er Trabalski mit 3:0, was den Einzug ins Endspiel bedeutete. Dort traf Maik auf einen polnischen Vertreter namens Zbigniew Ajchler. Den ersten Satz gewann Maik überraschend deutlich (11:3), doch im zweiten Satz drehte der Pole richtig auf und holte sich durch offensive Schläge mit 4:11 den verdienten Satzausgleich. Jetzt war wieder alles offen. Coach Fabia und Maik war klar, dass der nächste Satz immens wichtig sein würde. Nach einer beratungsintensiven Satzpause ging es in den dritten Satz. Knapp gewann Maik diesen mit 12:11. Auch wenn Maik aufgrund des anstrengenden Tages und seiner Parkinson-Erkrankung körperlich nicht mehr in bester Verfassung war, war er mental maximal fokussiert. Auch das Publikum fieberte mit, als Maik voller Entschlossenheit in den vierten Satz ging, der die Chance versprach, Einzel-Sieger der German Open 2022 zu werden. Kerstin und Fabia standen hinter der Bande und fieberten mit. Es kam ein spektakulärer Ballwechsel zustande, durch den Maik in Führung ging - der Applaus war riesig. Der Pole begann zunehmend mit sich zu hadern, es blieb allerdings knapp. Durch einen rotationsreichen Aufschlag in die Rückhand-Seite von Ajchler gewann Maik den vierten Satz schließlich mit 11:9. Alle jubelten. Viele „Parkis“, allen voran Lars, umarmten und feierten Maik. Wir waren unfassbar stolz auf seine Leistung. Maiks Traum wurde wahr, er krönte sich zum Sieger der German Open 2022. Doch eins blieb, wie es schon seit der WM 2021 ist: Maik wurde darüber hinaus auch der Sieger der Herzen, weil er – und das hat Symbolkraft – trotz seines Freezings immer wieder aufstand und weiterkämpfte.


Das ist das Ding! Maik feiert den Gewinn der German Open im Kreise der weiteren Medaillengewinner.

Auf dem Treppchen gab es vor lauter Emotionen kein Halten mehr: Das Publikum jubelte den Sieger begeistert zu - gemeint war darüber hinaus allerdings die gesamte PPP-Gemeinde, die in Bad Homburg wieder einmal eine sportlich und menschlich wertvolle Veranstaltung erlebte.

Gisela Pazyna durfte sich über zwei Silbermedaillen im Mixed und im Doppel freuen. Gerald erreichte im Einzel der Trostrunde den dritten Platz. Alle können stolz sein, bei den Parkinson German Open 2022 teilgenommen zu haben, was am letzten Abend selbstverständlich noch ausgiebig gefeiert wurde.



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